Der Pianist Juan Peñalver Madrid und der Künstler Sören Berg helfen mit ihrer ungewöhnlichen Performance Way to Hartmann „Instrumentenretter“ zu finden und als solche zu fungieren. Ein Klavierkonzert, ein menschengroßes Gemälde, seine Präsentation, seine Versteigerung, dessen Auktionator und das Publikum ermöglichen die Umsetzung. Am Ende übersteigt der Erlös bei weitem die Erwartungen und darüber hinaus sind neue Unterstützer gefunden worden.

Way to Hartmann Bildschirmfoto

Am vergangenen Samstag, dem Tag der niedersächsischen Hausmusik wurden zunächst von dem Hausmeister Alexander Kolodko eilig Stühle herbeigeschafft, denn im Städtischen Museum reichte die vorgesehene Bestuhlung für den Andrang zu ‘Way to Hartmann‘, so der Name der Performance, bei weitem nicht aus.
Anfangs erfahren die Besucher, dass vor allem historische Klaviere mit Kriegsgeschichte lange in einer Tankstelle lagerten bis sie dank einer Schenkung der Klavierfirma Gotrian – Steinweg in den Fundus des städtischen Museums übergingen und die Museumsdirektorin es zu ihrer Aufgabe gemacht hat, diese renovieren und restaurieren zu lassen. Dafür werden „Instrumentenretter“ gesucht.Anschließend spielte der Pianist Peñalver Madrid den Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung“ – eine Komposition von Modest Mussorgski aus dem Jahr 1874. Die einzelnen Sätze beschreiben insgesamt 10 Gemälde und Zeichnungen seines im Jahr zuvor gestorbenen befreundeten Maler und Architekten Viktor Hartmann. Vier dieser Bilder sind seit dem zweiten Weltkrieg verschwunden. Die Besucher werden über die Bilder informiert und durch die Musik angeregt die Bilder zu imaginieren und somit den realen Reigen der Bilder im Museum zu ergänzen.Das Publikum belohnte das Spielen von Juan Penalver Madrid mit minutenlangen stehenden Ovationen.Während des Konzertes diente das zweiteilige aus bemalten sechs Zentimeter starken planen Hohlkörpern bestehende, amorphe Werk des Künstlers Sören Berg als Szenenbild.
Sören Berg vermittelte den Gästen überzeugend dessen ungewöhnliche Entstehung und seine Intention. Das Werk eine Mischung aus Gemälde und hängendem Objekt bezieht sich inhaltlich auf das Klavierkonzert und erinnert an die fehlenden vier Bilder, symbolisiert einen zeitlichen Strudel, der als Brücke zwischen den bestehenden Bildern , verschiedenen Epochen sowie der Beziehung von Kunst und Musik wirkt.
Die Komposition, ein konzentrisches Zickzackmuster intendiert den Eindruck einer vibrierenden und rotierenden Spirale. Möglich wird diese optische Illusion mittels Reihung von vielen kleinen, unterschiedlich geneigten Dreiecken, die in ihrer Wahrnehmung gekrümmt wirken. Erst bei genauem Hinsehen offenbart sich dem Betrachter, dass durch minimale Überlagerung der Dreiecke zwei weiße Bänder auf einem in mehreren sehr dunklen Rottönen changierenden Hintergrund entstehen. Eine Doppelhelix entsteht, die in ihrem Zentrum ein Quadrat birg. Für die Herstellung baute der Künstler zunächst mit einem 3D Programm einen Turm mit in Spiralform gemusterten Wänden dessen Innenansicht er mit Hilfe von mathematischen Formeln in eine zweidimensionale Ansicht übersetzte.
Der Tischler Dirk Olivier von Die Drei half spontan die Holzarbeiten umzusetzen, für die Ausarbeitung lieferte Sven Kleeeis von der gleichnamigen Werbeagentur die Schablonen.
Das Künstlerduo schloss die Veranstaltung mit einer Auktion nach amerikanischem Prinzip ab. Dazu wird von dem Auktionator eine Zeitdauer festgelegt, die er dem Publikum nicht bekannt gibt. Den Zuschlag bekommt derjenige Bieter, der in dem Moment, in dem die Zeit abgelaufen ist, das letzte Gebot gegeben hat. Die Museumsdirektorin Dr. Cecilie Hollberg selbst eilte mit Hut durch die Reihen der Anwesenden und sammelte die gebotenen Beträge ein. Die Rolle des Auktionators vertrauten sie Tobias Hoffmann an.
Der zwölfjährige Max Xy entwickelte sich zum Publikumsliebling und erhielt den Zuschlag unter starkem Beifall aller Anwesenden.
Zitat einer Besucherin:
„Lieber Sören,
Ich wollte Euch herzlich danken für die Einladung zu diesem ganz ganz tollen besonderen Abend.
Ich saß mit Freundinnen zusammen und wir haben begeistert gelauscht und waren hin und weg von der super Versteigerung.
Und du, Juan, bist ein begnadeter Pianist. Du hast das Stück so wunderbar interpretiert, ich hatte zeitweise eine Gänsehaut.
Nach den ersten paar Takten erfüllte die Musik so voll und ganz den Raum, dass es eine Pracht war. Juan ich bin dein Fan. Und Sören, du hast dein Kunstwerk auch sehr gut vorgestellt. Und eine ganze Reihe von Leuten war erpicht drauf, es zu ersteigern. Umso toller ist es, dass der kleine Teenager, der immer so eifrig mitgeboten hat, letztlich das Objekt mitnehmen durfte.
Ich war begeistert – so ein schöner Abend und das bei dieser kurzen Vorbereitungsphase. Ihr habt wirklich alles gegeben und man sieht, dass Euer Konzept aufgeht. Ihr habt schon viele treue Fans in der Region, die immer auf das gespannt sind, was Ihr als nächstes bringt.
Viele hatten denke ich ja noch die Geschichte mit der Undine im Kopf.
Alles Liebe
Eure Marie und nochmals danke“.
way to hartmann