Ich möchte diesen artitunes Beitrag mit Worten aus Claude Debussys Monsieur Croche antidilettante eröffnen und somit eine Interpretation seiner Arabesque No. 1 präsentieren.

„Die Musik ist eine geheimnisvolle Mathematik, deren Elemente am Unendlichen teilhaben. Sie lebt in der Bewegung der Wasser, im Wellenspiegel wechselnder Winde; nichts ist musikalischer als ein Sonnenuntergang! Für den, der mit dem Herzen schaut und lauscht, ist das die beste Entwicklungslehre, geschrieben in jenes Buch, das von den Musikern nur wenig gelesen wird: das der Natur. Sie schauen in die Bücher der großen Meister und rühren dort mit frommer Ehrfurcht den alten Klangstaub auf. Gut so; aber die Kunst ist hier vielleicht nicht so nah!“

Wenn ich Mademoiselle Chanel wäre hätte ich schon längst ein Arabesque No. 1 Parfum in den Markt gebracht. Dieses französische Musikparfum könnte man so beschreiben: Arabesque No. 1 ist ein blumig-fruchtiger Duft, in dem ein grüner, fruchtiger Pampelmuse-Quitten-Akkord die Zartheit des Jasmins und samtiger weißer Moschus miteinander verschmelzen. Ein Duft voller Zärtlichkeit und Sanftheit mit einem Ausdruck der Poesie, Glück und Fantasie.

In der Arabesque No. 1 präsentiert sich 1888 Debussy wie ein charmanter Parfumeur der Ornamenten, dessen ursprünglichen Duft im Gregorianischen Gesang, später bei den a-capella-Meistern des 16. und 17. Jahrhunderts und letztendlich bei Bach zu finden ist. Im Ornament nämlich sieht Debussy ein Uhrphänomen alles melodischen Geschehens, mehr noch, eine Kraft, welche die kleinen Elementarteile des Melos zur eigentlichen melodischen Linie aufblühen lässt, als freies, gelöstes Spiel mit sich selbst. Debussy verwendet hier charmante musikalische Entwürfe mit der gleichen Liebe und Feinheit wie die Japaner Blumen behandeln. Wie er seine Essenzen destilliert und die richtige Proportionen für seine Kunst trifft bleibt für uns und sogar noch für ihn vorenthalten: „Die Schönheit eines Kunstwerks wird immer ein Geheimnis bleiben, das heißt, man wird nie bis ins letzte ergründen können, >wie es gemacht ist<. Erhalten wir uns um jeden Preis diese geheimnisvolle magische Kraft der Musik. Sie ist in ihrem Wesen nach offener dafür als jeder andere Kunst.“ Claude Debussy.